Hartholz

Software und Politik

(See English version below)

Eclipse legt die Fonts seiner GUI seit Juno in CSS-Dateien ab.

Ich weiß nicht, ob ich das verstehen will.
ENTWEDER hält man sich an die Design-Richtlinien des Window Managers. Dann braucht man kein CSS – jedenfalls nicht für die Fonteinstellung.
ODER man belässt es im Dialog. Der Fontdialog von Eclipse ist eigentlich wunderbar – und er hat sogar für die Fonts, bei denen es Systemeinstellungen gibt, einen wunderbaren Knopf mit der Aufschrift “Use System Font”.
Aber CSS? Warum, um aller Götter willen?

Nun ja. Für mich und alle, die es hierher verschlägt: Die Datei  $ECLIPSE_HOME/plugins/org.eclipse.platform_*/css/e4_default_gtk.css bearbeiten und in .MPartStack unter font-size den gewünschten Wert einstellen.Für mich hat 6 am besten funktioniert.

ENGLISH VERSION:

Eclipse configures its GUI fonts in CSS files.

I don’t know whether I even want to understand that.
EITHER you apply the design guidelines of your window manager. Then you don’t need CSS – not for fonts anyway.
OR you leave the setting in the font dialog. The one in Eclipse is actually a fine piece of usability – for those settings where it’s applicable, it even enables a nifty “Use System Font” button.
CSS? Why, for the sake of any gods?

Anyway. For me and anybody who finds his way here: Edit the file
  $ECLIPSE_HOME/plugins/org.eclipse.platform_*/css/e4_default_gtk.cssand change the font-size setting for .MPartStack. A size of 6 worked fine for me.

This is a variation of Jean-Baptiste Onofré’s blog entry at http://blog.nanthrax.net/2012/07/change-tab-font-in-eclipse-juno/ .

Grad erst wieder im Heiseforum erlebt: Da liefert wer nicht die richtigen Stichworte und wird mit an den Haaren herbeigezogenen Argumenten angegriffen. Immer schön feste druff, der ist Feind und gehört angegriffen, ob man seine Argumente entkräften kann oder nicht.

Diese Argumente zu lesen und zu verstehen ist ja auch riskant, man könnte sie nachvollziehen und riskiert, die eigene Position revidieren zu  müssen.
Lagerdenken eben, und der Lagerdenkende verzichtet auf die Nutzung der eigenen Intelligenz.

Das ist dann wohl auch der Grund, warum immer wieder ausgerechnet die Politiker gewählt werden, die die dümmsten Sprüche klopfen. Statt denen, die die intelligenteste Politik machen.
Und dann wird immer wieder öffentlich beklagt, dass ausgerechnet solche Populisten gewählt werden. Und die Dummheit der Wähler wird beklagt, ironischerweise auch von Leuten, die gern das Lagerdenken pflegen.

Diesmal in der Schweiz.

Didier Burkhalter, schweizer Außenminister: “Aus unserer Sicht ist das Abkommen vor allem gerecht, weil es eine Lösung für alle Steuerpflichtigen gleichermaßen bedeutet und nicht einzelne Fälle herausgreift, die zufällig ins Blickfeld der Justiz geraten sind.”

Also. Demnach ist es auch nicht fair, einzelne Fälle von Diebstahl herauszugreifen, die zufällig ins Blickfeld der Justiz geraten sind.

Gut, dass der Mann kein Justizminister ist.

Und wenn doch, dann nur zu ihren eigenen Bedingungen.

Was war?

Linus Torvalds erklärt nVidia: “fuck you”. So aufgezeichnet auf einer Veranstaltung des Aalto Center for Entrepreneurship in Otaniemi (Finnland).
Die (inoffiziell zitierte) Antwort: “Eigentlich wollen wir uns lieber darauf konzentnrieren, unsere Treiber besser zu machen, als darauf, für Linux besser zu werden.” (Es gibt noch eine Menge Marketinggeblubber, aber das ist der Kern der Aussage.)

Eigentlich ist das ja in Ordnung.
Nur, dass das eben auch nicht stimmt. nVidia enthält den Linuxern sämtliche technische Unterlagen vor. Außer für wenige, ausgewählte Grafikchips – und dann auch nur für die aktuellsten. Wer was hat, was älter ist als ein paar Jahre, schaut eben doch in die Röhre.

Merke: Mit nVidia hat man (unbestritten) gute Grafikleistung sofort. Aber eben gar keine Grafikleistung mehr in ein paar Jahren.

Bedauerlicherweise verbauen Laptophersteller keine guten Grafikkarten anderer Hersteller. Die gibt’s ja schließlich auch.
Ich persönlich hätte jedenfalls kein Problem damit, 30% Grafikleistung einzubüßen, wenn ich dafür im Textmodus endlich eine Konsole mit höherer Auflösung hätte. Oder ein Dutzend andere Techniken, die im Linux-Kernel eingeführt werden, eben sofort da wären und nicht erst, wenn nVidia Zeit findet, die in ihre Treiber zu integrieren (was auch mal ein paar Jahre dauern kann oder ganz geschlabbert wird).

So gesehen kann ich mich Linus Torvalds nur anschließen: nVidia ist Mist.
Jedenfalls für mich.

Nicht nur vorm Bundestag, aber die habe ich hier vor mir.

Und was sagt er, als End- und Höhepunkt seiner Rede? “Von der Überzeugung eines Schöpfergottes her ist die Idee der Menschenrechte, die Idee der Gleichheit aller Menschen vor dem Recht, die Erkenntnis der Unantastbarkeit der Menschenwürde in jedem einzelnen Menschen und das Wissen um die Verantwortung der Menschen für ihr Handeln entwickelt worden.”

Stimmt, ist aber trotzdem falsch.

Stimmt, denn die Unabhängigkeitserklärung der USA begründet die Menschenrechte mit ihm: “We hold these truths to be self-evident, that all men are created equal, that they are endowed by their Creator with certain unalienable Rights, that among these are Life, Liberty and the pursuit of Happiness.” (“Wir halten die folgenden Wahrheiten für offensichtlich: dass alle Menschen gleich geschaffen sind, dass sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind; dass dazu Leben, Freiheit und das Streben nach Glück gehören.”)

Ist aber trotzdem falsch, denn das Argument funktioniert auch, wenn man für “Schöpfer” auch “die Evolution” oder “die Natur” oder “zum Wohl der Gesellschaft” einsetzt.
Denn die Vorstellung universeller, nicht wegnehmbarer Menschenrechte ist so attraktiv, dass sie auch in der UNO eine Mehrheit gefunden haben. Auch die Chinesen und Japaner, die ihre ethischen und gesellschaftlichen Normen nicht aus einem Schöpfergott herleiten, haben diese Idee unterstützt.

Die Idee von einem Schöpfergott scheint mit der Menschenrechtsidee sogar ein Stück weit zu kollidieren. Wie sonst soll ich erklären, dass sich christliche Kirche und christliche Kultur massivster Menschenrechtsverletzungen schuldig gemacht haben? Damit meine ich nicht nur Hexenverfolgung und Kindesmissbrauch, sondern auch Geschichten wie die Colonia Dignidad, das Gemetzel des Ersten Kreuzzugs in Jerusalem, große Teile der Kolonialgeschichte und die immer noch anhaltende Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Liebe.

Der Papst weiß das alles natürlich. Schließlich wird er allgemein als intelligent und gut informiert beschrieben.
Und dann erweckt er rhetorisch den Eindruck, die Menschenrechte seien das Verdienst der Idee vom Schöpfergott?

Ich weiß nicht, wie der Rest der Welt das beurteilt.
Ich beurteile das als Anmaßung, weil er den nichtchristlichen Anteil an der Idee der Kirche zuschreibt.
Als Heuchelei, weil er die angemaßten Anteile auch noch den Nichtchristen als Mangel vorhält.
Als Betrug, denn es ist bewusste Irreführung.

Ich hab jetzt seit April versucht, mit mit dem “Overlay Scrollbar” anzufreunden, den Mark Shuttleworth unheimlich toll findet.
Er hat ja insofern Recht, dass die Scrollbars auf so einem Bildschirm eine Menge Platz fressen. Insbesondere, wenn die Auflösung niedrig ist; auf den 300×200 so eines Smartphones mag man sicherlich nicht für jeden Scrollbar 10 oder gar 20 Pixel Breite spendieren.
Auf 1920×1080 hingegen werden die Fenster größer, Scrollbars bleiben aber ungefähr gleich breit und nehmen dann einen viel kleineren Anteil der Gesamtfläche ein.

Unangenehm ist bei den Overlay Scrollbars zweierlei:
1. Viel mehr Mauskilometer, wenn man eine Seite hoch- oder runterblättern will. Mit einem normalen Scrollbar reicht es, irgendwo in den rechten Bereich, oben oder unten, zu klicken, mit dem Overlay Scrollbar muss man den teilweise fummelig winzigen Scrollbar treffen. Mit der Maus geht sowas noch, mit einem Laptop mit Touchpad oder Steuerknüppel ist man viel zu ungenau.
2. Man muss erst von innen nach außen über den Scrollbar fahren, um das Overlay zu aktivieren. Wenn man nicht sehr genau ist, hat man eine überschießende Bewegung und muss erst wieder zurück. Zudem sind die Trefferflächen einfach zu klein. Wieder womöglich nur ein Laptopproblem, aber ich hab nun mal einen.

Wie loswerden das Ding?
Lösung 1: Das Ding wegkonfigurieren.
Lösung 2: aptitude anwerfen und die beiden Pakete mit “liboverlay” im Namen rausschmeißen. (Hat man das Paket entfernt, wird es einem nicht wieder zum Installieren angeboten. Offenbar steckt es nicht in einer der konfigurierten Paketquellen, sondern man muss erst das entsprechende PPA aktivieren. Ich hab das aber nicht ausprobiert, ich will’s ja gar nicht wiederhaben.)

Jetzt fordern die Verbraucherschutzverbände, die von den intelligenten Stromzählern weitergegebenen Daten streng zu regulieren.

Ich finde das höchst unzureichend. Nur Daten, die gar nicht erst erfasst werden, sind sicher. Die Regulierung hechelt der Praxis doch immer bloß hinterher, und hinterher klagen dann alle über ausuferndes Paragrafendickicht und Bürokratiekosten.

Warum das eigentlich nicht als Markt organisieren? Die Stromanbieter geben übers Netz einmal täglich ihre Rabattstaffeln für den Folgetag durch und die Stromverbraucher planen ihre Stromabnahme dementsprechend. Keine Daten, kein Regelungsbedarf, jeder Marktteilnehmer hat nach wie vor die Hoheit über sein Verhalten.

Jedenfalls, wenn man Thomas Goppel glaubt – aber das sollte man, der Mann ist nicht nur in der CSU, sondern sollte ja als Sprecher der ChristSozialenKatholiken auch kompetent sein.

Und dann schreibt er: “Wenn es ein Alleinstellungsmerkmal für Christen im Wettbewerb mit anderen Ideologien und Weltanschauungen gibt, dann ist es der absolut garantierte Anspruch auf Lebensrecht für den Einzelnen.”

Nun, das hat der Buddhismus auch.
Ergo ist das kein Alleinstellungsmerkmal, ergo hat das Christentum laut seiner Aussage keines.

Aber vielleicht ist er ja doch nicht so kompetent. Das Christentum (das organisierte zumindest) hat ja in der Vergangenheit eine Menge Mordaktionen nicht nur billigend in Kauf genommen, sondern sogar gefordert.
Und, seltsam: ich finde auch im Neuen Testament keinen einzigen Passus, der ein Lebensrecht absolut garantiert. Das Thema kommt eigentlich so direkt gar nicht vor – da gibt es viel über ein gutes Miteinander, aber eigentlich nichts über individuelle Rechte.
Gut, im Alten Testament steht was von “Du sollst nicht töten”. Aber da steht auch “so sollen sie des Todes sein”, sogar Aufrufe zum Völkermord und ähnliches finden sich darin. Was davon jetzt gelten soll, wird von den Christen dann je nach Bedarf hervorgeholt – ehrlich ist das nicht.

Da werden zur Zeit jede Menge Definitionen in den Raum geworfen. Und beide Seiten übertreiben: die einen sehen das Netz schon als neutral an, wenn nur die Konditionen für jedermann einsehbar sind und wollen dann trotzdem Youtube nochmal extra zur Kasse bitten, die anderen halten jeden Tarif außer einer Flatrate für eine unzulässige Einschränkung.

Ich versuch mich mal an meiner Definition:

Netzneutralität ist, wenn die Netzbetreiber kein Mitspracherecht dabei haben, welche Inhalt mit welcher Qualität (Latenzzeit, Fehlergarantien usw.) von wem an wen übertragen werden.

Eine derartige Netzneutralität hätte Konsequenzen.
Zum Einen wäre keine Deep Packet Inspection mehr nötig oder auch nur zulässig. Qualitätswünsche stecken in den Paketheadern, Traffic Shaping dürfte nur anhand dieser Header erfolgen.
Im Gegenzug müssten die Netzbetreiber die Möglichkeit haben, qualitätsabhängige Tarife anzubieten. Dürfen sie das nicht, werden sie sich um die Qualität nicht kümmern – zumindest im DSL-Bereich funktioniert der Markt gut genug, dass die “seltsamen” Preismodelle ausgestorben sind, von daher wäre da wenig zu befürchten.

Heute gefunden:

“Der deutsche Arbeitsmarkt ist kerngesund”, sagte Arbeitsministerin Ursula von der Leyen. Allerdings müsse der immer stärker spürbare Fachkräftemangel überwunden werden.

Ah ja. 7% Arbeitslose sind “kerngesund”.
Wobei ja auch diese 7% arg geschönt sind, die Bundesregierung hat schon unter Kohl angefangen, all die Leute aus der Statistik rauszurechnen, die in Umschulung, krank oder sonstwie nicht sofort vermittelbar sind. Was im Prinzip ja auch nicht verkehrt ist, nur lassen sich halt alte und neue Zahlen nicht mehr vergleichen (und ich glaub nicht dran, dass das reiner Zufall war – es gab keinen sachlichen Grund, die Grundlagen der Statistik zu ändern).

Wer schon zu Schmidts Zeiten auf die Arbeitslosenquote geachtet hat, fand jedenfalls den Anstieg auf über 5% ziemlich katastrophal. Da sind wir heute immer noch recht weit entfernt – vor allem, wenn man sich anschaut, wie viele hier in prekären Beschäftigungsverhältnissen arbeiten.