New Yorker Börse stellt auf Linux um

Die Schlagzeile des Tages.

Schaut man genauer hin, ist es dann doch wieder anders.

Das alte System ist kein Windows, sondern ein IBM-Mainframe. Damit gibt das Thema nichts für die beliebten Schlammschlachten zwischen Windows- und Linux-Anhängern her.

Die Alternativen waren auch nicht Windows oder Linux, sondern Linux oder ein anderes Unix. Die offizielle Begründung: wenn die Hardwareanforderungen aus irgendeinem Grund nicht ausreichen, ist eine Portierung auf ein anderes Unix aufwändig und teuer.
Späte Bestätigung dafür, dass die Unix-Hersteller den Zug verschlafen haben, als sie allesamt darauf bestanden, zueinander inkompatibel zu bleiben. (Das einzige Unix, von dem man noch hört, ist Solaris. Das hängt wohl damit zusammen, dass es auch auf Standard-PCs lauffähig ist.)

Von einer Umstellung auf moderne Softwarearchitektur ist auch nicht die Rede. Das wäre angesichts des Umfangs solcher Systeme auch kaum machbar, auch die New Yorker Börse gibt nicht gern so mal eben das Geld für ein paar Programmiererjahrzehnte aus.
Die Software ist in Cobol (igitt!) geschrieben. Und unter Linux läuft nur ein Compiler, der das Cobol übersetzt, und ein paar Libraries, die genügend von der IBM-Architektur nachbilden, dass die Programme eine Umgebung vorfinden, mit der sie klarkommen.

Eigentlich dann noch eine Nicht-Meldung… außer vielleicht der: egal, wie gut oder schlecht ein Betriebssystem ist, es hat heutzutage einen großen Vorteil, wenn es auf Standardhardware lauffähig ist.
Und dieser: Standardhardware hat mittlerweile ein Preis-/Leistungsverhältnis erreicht, das auch Buchhaltern gefällt. Das Hauptargument in der Vergangenheit waren der schlechte Durchsatz beim Plattenzugriff, aber mittlerweile hat sich das wohl dank schneller, gebündelter Plattenanbindungen (RAID, SATA) erledigt.
Die Mainframehersteller müssen sich warm anziehen, wie’s aussieht.

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