Was mich an OOXML stört
Gar nicht mal so sehr, dass MS offenkundig versucht hat, die Normungsgremien durch verfahrenstechnische Tricks zu beeinflussen. Das ist zwar unfein, hat aber nichts mit den Qualitäten von OOXML selbst zu tun.
Auch nicht mal, dass der Standard technisch Mist ist. Ich halte zwar die Kritiken für plausibel, aber eine schlechte Norm wäre ja immer noch besser als mehrere zwar gute, aber inkompatible Normen.
Das eigentliche Problem ist, dass da eine zweite Norm zu einer ersten hinzukommen soll.
Das ist ungefähr so sinnig wie die Vorstellung, zwei Normen für Schraubengewinde einzuführen. Wir haben den Mist ja schon. In meiner Bastelkiste mit PC-Ersatzteilen liegen Schrauben mit Millimetergewinde und Schrauben mit Zollgewinde. Die mit Zollgewinde braucht man für die meisten Festplatten, weil die Dinger in den USA hergestellt werden und dort nun mal Zollgewinde üblich sind.
Im Prinzip geben sich die beiden Gewindenormen nicht viel. Die Zollschrauben sind schneller und bequemer verschraubt, weil sie etwas steiler sind und deswegen mit jeder Umdrehung tiefer hineingedreht werden, aber in der Praxis ist dieser Unterschied nicht sehr gravierend; wichtiger ist, dass die Schrauben gut sitzen, und da ist es egal.
Aber wenn im Versehen eine Zollschraube in ein Millimetergewinde eindreht oder umgekehrt, dann ist das Gewinde kaputt. Ziemlich blöd, wenn man dann die Festplatte nicht mehr sicher verschraubt kriegt.
Ähnliches ist bei Einführung von OOXML zu befürchten. Am Ende laufen in der Welt Dokumente in beiden Formaten herum. Will man Teile aus einem Text in einen anderen übernehmen, wird eine Konvertierung nötig - und nach 20 Jahren Erfahrung mit Konvertern brauche ich wohl nicht mehr zu erklären, wie fehlerträchtig die Dinger sind.
Microsoft mag das “offenen Wettbewerb der Normen” nennen. Ich nenne das “auf dem Rücken des Endanwenders ausgetragen”.