Jedenfalls, wenn man nach Groklaw geht.
Die Story geht wie folgt:
Microsoft hat einen Haufen Patente, von denen etliche durch Linux verletzt werden.
Angeblich. Ob es tatsächlich der Fall ist, ist höchst fraglich, aber das spielt keine allzugroße Rolle: Erfahrungsgemäß sind Patentstreitigkeiten sehr teuer und gehen mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auch mal “falsch” aus, so dass Linux am Ende auf jeden Fall Lizenzgebühren zahlen müsste. Und da Linux nicht verkauft wird, hält man sich an die Nutzer – nicht, dass man die Privatnutzer mit Klagen überziehen würde, aber bei Firmen mit vielen Installationen gibt es auch was zu holen.
Nun hat Microsoft ein Problem, das ihnen diese Waffe ein bisschen schwergängig macht. Erstens würde dann sofort die Welt aufheulen und von Monopolmissbrauch und räuberischen Geschäftspraktiken sprechen. (“Räuberische Geschäftspraktiken” sind ein feststehender Begriff im US-Handelsrecht, es wäre gar nicht gut, wenn man ihnen das ernsthaft vorwerfen würde.)
Außerdem brauchen sie kompetenten Programmierernachwuchs. Wenn sie in der Öffentlichkeit allzu fies darstellen, wird ihre Auswahl kleiner.
Es mag noch weitere Probleme geben.
Auffällig war jedenfalls, dass sie immer mal wieder nebulös von diesen Patenten gesprochen haben, aber nie genau gesagt haben, welche Patente das sind und in welcher Form sie diese Patente nutzen wollen.
Schließlich sind sie auf den Gedanken verfallen, diese Patente an Patenttrolle zu verkaufen – das sind Firmen, die davon leben, andere Firmen wegen angeblicher oder tatsächlicher Patentverletzungen zu verklagen, ohne selbst Erfindungen zu machen oder gar Produkte herzustellen.
Sie haben wohl eine Auktion veranstaltet, zu der nur solche Trollfirmen eingeladen waren. Und in den Beschreibungen, wofür welches Patent gut sein könnte, sehr genau beschrieben, wie die jeweiligen Patente gegen Linux eingesetzt werden können.
Hätte der Plan funktioniert, hätten die Trolle die Patente aufgekauft und Linux-Anwender in jahrelange, langwierige Streitigkeiten verwickelt, während Microsoft relativ unschuldig dagestanden wäre (schließlich haben sie “nur” ihre Patente verkauft, die eigentlich Bösen wären ja die Patenttrolle gewesen).
Hat er aber nicht.
Zur Auktion wurde auch eine Firma namens AST eingeladen.
Und ob AST nun noch eine Rechnung mit MS offen hatte, oder ob AST von vornherein mit Firmen verbandelt war, die Linux mögen, oder ob es einfach nur der beste Preis war: AST hat die Patente für einige Dutzend Millionen an das Open Invention Network weiterverkauft. Zusammen mit der Information, dass diese Patente aus der MS-Auktion stammen und welche Empfehlungen MS für die Verwertung dieser Patente ausgegeben hat.
Und das Open Invention Network sammelt Patente, um sie für Linux kostenfrei zur Verfügung zu stellen.
Und das alles nur wenige Wochen, nachdem sie ein Open-Source-Institut gegründet, einiges an Software unter Open-Source-Lizenz gestellt und allgemein eine neue Charmeoffensive in Richtung Open Source gestartet haben.
Glaubwürdigkeit sieht anders aus.