Danke, Herr Sarrazin

Dafür, mal so richtig vorzuführen, wie dämlich genetische Begründungen für Rassismus eigentlich sind.

So z.B. das hier: dass es „natürlich“ genetische Folgen habe, wenn den Ägyptern und Kurden jahrhundertelang das Lesen und Schreiben verboten worden sei.
Soso. Dem einfachen Volk in Westeuropa wurde das sogar anderthalb Jahrtausende lang vorenthalten, das Monopol dafür lag bei der Priesterschaft. Und während die Türken in Ägypten und Kurdistan geherrscht haben und Nachkommen zeugen durften, die (angeblichen) Lesebefähigungsgene also im Genpool geblieben sind, durften die Priester das nicht.
Wenn man das Ägypten-Argument ernstnimmt, müssten die genetischen Voraussetzungen fürs Lesen und Schreiben in Westeuropa ausgerottet sein.

Was natürlich Blödsinn ist, wie ein Blick an den Zeitschriftenstand zeigt.
Und das Argument stammt auch nicht von Sarrazin, sondern von Necla Kelek, die es aber unterstützend zu Sarrazins Thesen gebracht hat.

2 Gedanken zu „Danke, Herr Sarrazin“

  1. Es wäre sicherlich nicht zu viel verlangt, sich nicht nur auf Drittquellen zu berufen, die den eigenen Standpunkt untermauern. Auch das Original zu lesen wäre bei einer Kritik angebracht, wenn man sich schon auf Zitate ohne Kontext beruft. Stimmigkeit innerhalb ihrer Argumentation ist jedenfalls nicht vorhanden. Ihre Argumentation vernachlässigt das Völker zuweilen inhomogen sind und in jeder Gruppe Ausreiser gibt, am eben auch Masse der intelligenteren sich unterhalb des Durchschnitt konzentrieren kann.
    All die Thesen von Sarrazin sind unscharf formuliert und trennen nie eindeutig gewisse Gruppen. Aber wenn man ein Buch auf ein Interview verkürzt und das auf 2 Sätze, kann natürlich alles mögliche darausziehen und sich dem Diskurs verweigern.

  2. Sorry, Kommentar erst spät und zufällig bemerkt, dennoch eine Antwort:
    Das eigentliche Problem, das ich hier aufspieße, sind nicht Sarrazins Thesen selbst, sondern die Art von Diskurs, die er auslöst. Er behauptet, er wolle eine Sachdiskussion anstoßen, aber was kommt, ist dann genetischer Unsinn wie der von Frau Kelek. Er hat sich meines Wissens zu dieser These auch nicht weiter geäußert – wenn er eine Sachdiskussion gewollt hätte, hätte er da aktiv eingreifen müssen und sagen müssen: so nicht. Und wenn er selbst kein Genetiker ist, hätte er doch zumindest einen fragen können.
    Das alles lässt dann den Schluss zu, dass es Sarrazin eben nicht um eine Sachdiskussion geht. Wenn ich mir sein Vorwort zur zweiten Auflage durchlese, finde ich auch, dass es ihn viel mehr darum geht, Recht zu bekommen: er listet seitenweise auf, wer ihm alles zugestimmt habe und wie blöd seine Kritiker alle sind, aber die konkreten Kritiken benennt er nicht und widerlegt er nicht. Das ist kein Diskurs, das ist Politik und Rhetorik.

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