Dr. Ächzstaat

Peinlicher geht’s echt nicht – alle, alle, alle Politiker geben Unsägliches über den Tod von Osama bin Laden von sich.

Barack Obama: „Der Gerechtigkeit ist Genüge getan.“
Ohne Gerichtsprozess?
So richtig nachgewiesen ist bin Ladens Verantwortung für den WTC-Anschlag übrigens offenbar nicht. Nach den angeblichen rollenden Biolabors Saddam Husseins sollte wirklich klar sein, dass jeder von der US-Regierung vorgelegte Beweis von unabhängiger Seite überprüft werden muss.

George W. Bush: „Diese bedeutsame Errungenschaft ist ein Sieg für Amerika, für Menschen in der ganzen Welt, die nach Frieden streben, und für all diejenigen, die am 11. September 2001 Angehörige und Freunde verloren haben.“
Ein Sieg für Amerika sicherlich. Der Mann ist mir jedenfalls nie als Friedensaktivist aufgefallen, wie kommt der dazu, für die reden zu wollen?

Nach den US-Stimmen jetzt die deutschen, und da wird’s fast noch peinlicher.

Hans-Peter Friedrich: „Der Tod von Osama bin Laden zeigt, dass am Ende Freiheit und Gerechtigkeit siegen.“
Horst Seehofer: „Das ist auf jeden Fall ein schöner Erfolg für die Gerechtigkeit.“
Ist das Gerechtigkeit, einen Menschen ohne Gerichtsverfahren zu töten?

Christian Wulff: „Ich halte die Ausschaltung von Osama bin Laden für einen unschätzbaren Erfolg im weltweiten gemeinsamen Kampf gegen den menschenverachtenden Terrorismus.“
Deutschland stellt also Gemeinsamkeiten heraus, wenn ein Verbrecher ohne Gerichtsverfahren erschossen wird? Die deutsche Praxis, nicht abzuschieben, wenn dem Abgeschobenen die Todesstrafe droht, ist also verzichtbar – selbst dann, wenn er kein Gerichtsverfahren zu erwarten hat?

Angela Merkel: „Ich freue mich, dass es gelungen ist, bin Laden zu töten. Das ist es, was jetzt für mich zählt.“
Das Ignorieren rechtsstaatlicher Prinzipien gehört also explizit nicht zu dem, was für sie jetzt zählt. Man wird sich das merken müssen.

Guido Westerwelle: „Dass diesem Terroristen sein blutiges Handwerk gelegt werden konnte, ist eine gute Nachricht für alle friedliebenden und freiheitlich denkenden Menschen auf der ganzen Welt.“
Hier gilt sinngemäß das gleiche wie bei Bush. Auch wenn Westerwelle immerhin darauf verzichtet hat, Kriege anzuzetteln.

Klaus Ernst (Linke): „Moralischer Sieg“.
Oh nein.

Nicht, dass ich bin Laden je sonderlich gemocht hätte. Er hat zumindest Hass gepredigt.
Dass er tot ist, erfüllt mich – ich geb’s zu, ich bin auch nur Mensch – mit einer gewissen Genugtuung.
Aber richtig war das Vorgehen deshalb noch lange nicht. Die USA haben der Welt (wieder einmal) demonstriert, dass sie sich nicht für saubere Beweisführung interessieren; wer ihnen ernsthaft auf die Zehen tritt, hat mit einem schmutzigen Tod zu rechnen.
Und die Maßstäbe verrutschen da offenbar auch sehr schnell. Julian Assange wurde ja auch schon von ranghohen US-Politikern als Terrorist bezeichnet – damit ist es für ihn lebensgefährlich geworden, in eines der Länder zu reisen, in denen die USA ihre gezielten Tötungen und Gefangennahmen für Guantánamo vornehmen. Das sind schlechte Zeiten für eine zivilisiertere Welt.

Ein Gedanke zu „Dr. Ächzstaat“

  1. Nicht das sich an der Politik der Amis irgendetwas geändert hätte, nur bisher verstanden es die Demokraten es besser zu verschleiern.

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