EU-Verfahren gegen MS zeigt Wirkung

Microsoft wurde ja von der EU-Kommission in einem Monopolverfahren dazu verdonnert, alle Informationen freizugeben, die andere Software benötigt, um mit MS-Software zusammenzuarbeiten. (Auf Neudeutsch heißt das „Interoperabilität herstellen“.)
Technisch läuft das so, dass MS für diese Informationen eine Lizenz nach RAND-Grundsätzen erteilen muss. (RAND ist kurz für „reasonable and non-discriminatory“, also „vernünftig und für alle einheitlich“.)

Das erste große Softwareprojekt, das diese Auflagen beim Wort genommen hat, ist Samba. (Mit Samba kann man gemeinsam genutzte Dateien auf einem Linux-Server ablegen und von Windows aus als Netzwerkfreigaben ansprechen.) Sie haben mit Microsoft eine Lizenz ausgehandelt, und was ich so lese, klingt äußerst brauchbar: wenn ein freier Entwickler Software schreibt, die mit Dateifreigaben oder Anmeldedaten zu tun hat, meldet er sich bei der PFIF (der Organisation, die die Lizenz von MS hat) als Subunternehmer und erhält Zugriff auf alle nötigen Informationen. Er muss dafür ein Geheimhaltungsabkommen unterschreiben, aber den Code, den er anhand der geheimgehaltenen Dokumentation schreibt, darf er trotzdem veröffentlichen. Und er kann jederzeit kündigen, muss dann noch drei Monate die Füße stillhalten, danach darf er aus dem Nähkästchen plaudern (er darf die Dokumentation trotzdem nicht veröffentlichen, weil das eine Verletzung des Copyright wäre, aber er muss nur alles umformulieren – das Copyright schützt nur die konkreten Formulierungen, nicht die Ideen dahinter).

Die Mitteilung des Samba-Projekts ist hier, und eine detaillierte Beschreibung des Lizenzvertrags und was er bedeutet ist hier.

Feine Sache, das Ganze.
Das einzige, was mir jetzt noch fehlt, ist ein ähnliches Abkommen für die Zusammenarbeit mit dem Exchange Server. Da hakt es einfach noch: Linux-Software redet nicht mit dem Exchange Server, und die Windows-Programme können nicht so richtig mit Linux-Servern, wenn es um Mail, Terminkalender und andere Exchange-Funktionen geht.

Es wär fein, wenn es dafür auch mal ein Projekt gäbe. Am schlauesten wär’s, wenn man sich beim Samba-Projekt schlau machen würde, wie sie das im Detail gemacht haben, und sich mit dem Software Freedom Law Center in Verbindung setzen. Ein Spendenaufruf oder die finanzielle Rückendeckung einer Firma wär auch nicht verkehrt, die Samba-Lizenz hat 10.000 Dollar gekostet, das ist für die meisten Privatleute ein bisschen zuviel.

Aber es ist machbar.

Schünemann will Polizeistaat

Fordert im Focus, Wohnungen auch ohne Wissen der Betroffenen durchsuchen zu können.

Das heißt insbesondere, dass die Polizei eine Durchsuchung nicht mehr gegenüber den Durchsuchten wird rechtfertigen müssen. Damit braucht die Polizei auch nicht mehr abzuwägen, ob eine Durchsuchung rechtmäßig oder verhältnismäßig – wo kein Kläger, da kein Richter.

Es wird nicht lange dauern, bis ein übereifriger Staatsanwalt, dem noch ein paar Punkte zur Beförderung fehlen, sinnlos verdeckte Durchsuchungen anordnen wird („irgendwas wird sich schon finden“).
Oder bis Leute, die einem Polizeipräsidenten persönlich unangenehm sind, unter Druck gesetzt werden – da wird die Wohnung heimlich durchsucht, aber „versehentlich“ ein Teppich in den falschen Raum verlegt, und da die Durchsuchung ja offiziell heimlich war, können und dürfen die örtlichen Polizeidienststellen da nur herumdrucksen – die Leute sind verunsichert, Ziel erreicht, keiner der Beteiligten hat Konsequenzen zu fürchten.

Genau so wird das Instrumentarium geschaffen, mit dem sich später gewaltig staatlicher Missbrauch ausführen lässt. Und angesichts der Geschehnisse um Heiligendamm glaube ich nicht mehr daran, dass derartiger Missbrauch nicht stattfinden wird.

Das ist nicht das erste Mal, dass mir Schünemann mit einem abwegigen Verständnis vom Rechtsstaat auffällt. Meines Erachtens gehört der Mann als niedersächsischer Innenminister abgesetzt, nötigenfalls seine Partei abgewählt.

Und die Krönung noch zum Schluss als Nachtrag: Er möchte gern, dass dem Verteidiger nicht mehr alle Beweise vorgelegt werden müssen.
Ich kann ja verstehen, dass er in einem Gerichtsverfahren nicht alle mühsam eingeschleusten Spitzel (neudeutsch: V-Leute) aufdecken muss. Dass das ganz neue Möglichkeiten des Missbrauchs eröffnet, sollte ihm als Innenminister nun wirklich klar sein; nicht ohne Grund sind solche Geheimbeweise von der Inquisition bis hin zu modernen Unterdrückerstaaten ein beliebtes und probates Mittel, einen Unbequemen zu „überführen“.
Dabei muss man nicht mal so paranoid sein und schon gleich das Schlimmste befürchten. Es reicht völlig, wenn die Staatsanwaltschaft einem Irrtum aufsitzt, den Richter davon überzeugt und die Verteidigung keine Gelegenheit zur Klarstellung erhält. Das gibt immer mal wieder unschuldig Verurteilte. (Und, natürlich, die Möglichkeit zur Erpressung. Ein Journalist oder ein unzufriedener Mitarbeiter drohen, unbequeme Firmeninterna aufzudecken – also setzt man sie mit der Aussage „ich hänge Ihnen einen Terrorismusverdacht an, und Sie werden sich nicht mal verteidigen können“ unter Druck. Ein hübscher Plot für alle, die den Staatsanwalt kennen und wissen, welche Sorte Verdacht für ein Terrorismusverfahren reicht…)

New Yorker Börse stellt auf Linux um

Die Schlagzeile des Tages.

Schaut man genauer hin, ist es dann doch wieder anders.

Das alte System ist kein Windows, sondern ein IBM-Mainframe. Damit gibt das Thema nichts für die beliebten Schlammschlachten zwischen Windows- und Linux-Anhängern her.

Die Alternativen waren auch nicht Windows oder Linux, sondern Linux oder ein anderes Unix. Die offizielle Begründung: wenn die Hardwareanforderungen aus irgendeinem Grund nicht ausreichen, ist eine Portierung auf ein anderes Unix aufwändig und teuer.
Späte Bestätigung dafür, dass die Unix-Hersteller den Zug verschlafen haben, als sie allesamt darauf bestanden, zueinander inkompatibel zu bleiben. (Das einzige Unix, von dem man noch hört, ist Solaris. Das hängt wohl damit zusammen, dass es auch auf Standard-PCs lauffähig ist.)

Von einer Umstellung auf moderne Softwarearchitektur ist auch nicht die Rede. Das wäre angesichts des Umfangs solcher Systeme auch kaum machbar, auch die New Yorker Börse gibt nicht gern so mal eben das Geld für ein paar Programmiererjahrzehnte aus.
Die Software ist in Cobol (igitt!) geschrieben. Und unter Linux läuft nur ein Compiler, der das Cobol übersetzt, und ein paar Libraries, die genügend von der IBM-Architektur nachbilden, dass die Programme eine Umgebung vorfinden, mit der sie klarkommen.

Eigentlich dann noch eine Nicht-Meldung… außer vielleicht der: egal, wie gut oder schlecht ein Betriebssystem ist, es hat heutzutage einen großen Vorteil, wenn es auf Standardhardware lauffähig ist.
Und dieser: Standardhardware hat mittlerweile ein Preis-/Leistungsverhältnis erreicht, das auch Buchhaltern gefällt. Das Hauptargument in der Vergangenheit waren der schlechte Durchsatz beim Plattenzugriff, aber mittlerweile hat sich das wohl dank schneller, gebündelter Plattenanbindungen (RAID, SATA) erledigt.
Die Mainframehersteller müssen sich warm anziehen, wie’s aussieht.

Patente können den Fortschritt behindern

Aktuelles Beispiel: Für den geplanten HTML5-Standard soll ein einheitliches Videoformat festgeschrieben werden, so dass man innerhalb von Webseiten Videos abspielen lassen kann, ohne dass ein Plugin wie Flash installiert werden müsste; zudem würde zwischen den Browserherstellern ein Wettbewerb entstehen, wer den am besten bedienbaren Videoplayer in seinen Browser integriert, was für die Nutzer eine feine Sache wäre.

Nur, leider, ist von keinem halbwegs brauchbaren Videoformat bekannt, dass es keinem Patent unterliegt. Selbst wenn zu einem Format keine Patente bekannt sind, heißt das ja nicht, dass unter den hunderttausenden Patenten, die zur Zeit gültig sind, nicht doch eines ist, dessen Verfahren in so einem Videoformat verwendet werden.
Und wenn das Standardformat für Videos im Browser einem Patent unterliegt, kann der Patentinhaber Lizenzgebühren verlangen – und das hieße, dass videofähige Browser nicht mehr kostenlos sein könnten.

Also hat das WWW-Konsortium die Entscheidung für ein Videoformat erstmal vertagt.
Was heißt, dass der nächste HTML-Standard sich um ein paar weitere Monate verzögert. So und nicht anders sieht Fortschrittsbehinderung aus.
(Ein Webdesigner ist natürlich froh, wenn nicht schon wieder alles anders wird…)

Quelle

Überwachung

Gerade bei heise gelesen: der Bundestrojaner sei keine Telekommunikationsüberwachung, weil er die Daten ausspäht, noch bevor sie übermittelt werden.

Stimmt sogar. Es ist eine Wohnraumüberwachung.
Aber das streitet die Bundesregierung auch ab.

Vielleicht sollten sich die Politiker mal die einschlägigen Paragrafen zu Briefgeheimnis und Unverletzlichkeit der Wohnung anschauen. Dann werden sie merken, dass die beiden Schutzrechte ein gemeinsames Gut schützen: die Möglichkeit, sich in einen unbeobachteten und unkontrollierten Raum zurückzuziehen und von dort unbeobachtet und unkontrolliert zu kommunizieren.
Grenzen hat dieses Rechtsgut nur dort, wo jemand schwerer(!) Straftaten verdächtigt wird.

Das Totenglöckchen für DRM

… wurde zumindest für Musikstücke eingeläutet.

Und das ausgerechnet von Walmart, das ja in der Vergangenheit nicht unbedingt mit Menschenfreundlichkeit geglänzt hat – aber: Ehre, wem Ehre gebührt.
Und Walmart hat angekündigt, DRM-geschützte Musiktitel auszulisten. Wenn eine Musikfirma also weiterhin keine ungeschützten MP3-Musikdateien anbietet, verliert sie Walmart als Verkaufsmöglichkeit – und da Walmart für Hersteller in den USA einen ähnlichen Stellenwert hat wie Aldi hier bei uns, tut das weh.

Fast noch wichtiger ist die Vorbildfunktion. Die Kunden mögen kein DRM, also hat Walmart einen Vorteil gegenüber Einzelhändlern, die keine ungeschützte Musik im Angebot haben. Also wird auch die Konkurrenz DRM-freie Musik haben wollen und entsprechend Druck auf die Musikindustrie ausüben wollen.

Die Musikindustrie ist mächtig, aber gegen den Einzelhandel kann auch sie nicht anstinken.
Andersrum formuliert: der Einzelhandel nimmt gegenüber den Herstellern auch Kundeninteressen wahr. Zwar nur deshalb, weil der Einzelhandel vom Geldbeutel des Endkunden lebt, nicht aus Menschenfreundlichkeit – aber wir wollen da jetzt nicht kleinlich sein 🙂

Zusammenbruch des Internet

Grad wieder gelesen: Angeblich droht dem Internet der Kollaps, weil die Übertragungskapazität mit dem Anstieg des Verkehrsaufkommens nicht mithält.

Schön, wenn man von einer Lobbyvereinigung abschreibt. Aber das mit dem bevorstehenden Zusammenbruch des Internet hatten wir schon mal, ich glaube, Ende der 90er Jahre.

Damals wurde er durch eine Sonderentwicklung verhindert: die Kabelnetzfirmen hatten schon angefangen, jede Menge zusätzliche Glasfaser zu verbuddeln, als ein neues Verfahren auf den Markt kam, mit dem man durch die gleiche Faser das Hundertfache an Daten schicken konnte. (Für den, den’s interessiert: man hat polarisiertes Licht und mehrere Wellenlängen verwendet.)
In Folge gingen erstmal einige Kabelnetzausrüster pleite oder wurden aufgekauft. Außerdem hatte die Welt plötzlich ein um mehrere Größenordnungen überdimensioniertes Internet.

Diese Zusatzkapazitäten gehen jetzt so allmählich zur Neige, also wird man neue Kabel verlegen müssen.

Und bevor Google und Amazon damit echte Schwierigkeiten kriegen, werden sie zusätzlichen Traffic verlangen und bezahlen – und damit den Kabelfirmen Aufträge in die Kassen spülen.

Ähnlich werden die Internetprovider handlen. Wer auch immer VDSL verkauft, hat entsprechend mehr Traffic zu bewältigen. Und der muss bezahlt werden – entweder mit dem Betrieb eines eigenen Netzes, oder, wenn man die Daten an andere Netze übergibt.
Also werden die VDSL-Anschlüsse erstmal ein bisschen teurer werden. (Aber das sind sie ja sowieso.)

Kollaps des Internet?
Nö.
Manche Seiten werden vielleicht etwas zäher laufen, je nachdem, wie überlastet die Strecken nach, sagen wir, Kanada gerade sind. Aber die nötigen Kabel werden schon gelegt werden.
Auch – und das ist die eigentliche Nachricht – weil Lobbyvereinigungen wie die Internet Innovation Alliance schon Jahre vor dem Auftreten des eigentlichen Problems auf die Entwicklung hinweisen.

Dramatischer könnte die Umstellung auf IP6 werden, da müssen nämlich all die DSL-Anbieter ihre Router umstellen. Wenn da Fehler auftreten, hat man kein langsames Internet, man hat ein gar nicht funktionierendes Internet…

Gute Passwörter

Immer wieder neu, immer wieder schön: man braucht auf die Schnelle ein Passwort. Und gute Passwörter kriegt man nicht hin, Menschen sind nun mal nicht für den Zufall gebaut.

Dabei braucht man nur einen Würfel, einen Stift und ein Blatt Papier.
Auf dem Papier schreibt man sich dieses Schema hin:

1 2 3 4 5 6
1 a b c d e f
2 g h i j k l
3 m n o p q r
4 s t u v w x
5 y z 0 1 2 3
6 4 5 6 7 8 9

Und dann heißt es, immer abwechselnd eine Zeile und eine Spalte auswürfeln und das Zeichen aus der Tabelle für das Passwort verwenden.Mit ein bisschen Übung kann man sich auch solche ausgewürfelten Passwörter ganz gut merken. Einfach erstmal aufschreiben und bei jedem Eingeben erstmal versuchen, so viele Zeichen wie möglich aus dem Gedächtnis zu tippen. Wenn man sein Passwort einmal täglich eingibt, hat man es nach spätestens zwei Wochen „intus“.Und wer sich Sorgen macht, weil keine Großbuchstaben im Passwort sind: Ein weiteres Zeichen dranhängen ist so gut wie Groß-/Kleinschreibung in sechs Zeichen. Statt acht Zeichen mit Groß-/Kleinschreibung nimmt man also einfach zehn Zeichen und hat dann sogar eine etwas bessere Sicherheit.